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Messie-Syndrom: Das äußere Chaos als Ausdruck der inneren Unordnung

Chaos OrdnungRund über 2,5 Millionen Menschen leben nach einer Schätzung von Selbsthilfegruppen mit dem sogenannten Messie-Syndrom in Deutschland. Frauen scheinen häufiger davon betroffen zu sein, als die Männer, doch das könnte auch damit zusammenhängen, dass eine Frau eher therapeutische Hilfe sucht. Des Weiteren kann es bei den Messie-Männern doch eher vorkommen, dass die Partnerin aufräumt und damit der Lebensdruck reduziert wird. Egal ob junge Mutter, der alleinstehende Senior, Sachbearbeiter oder Manager, das Messie-Syndrom ist in jeder sozialen Schicht zu finden und in jeder Altersgruppe. Erst dann wenn die Erkrankung richtig erkannt wird, sich die Betroffenen und Angehörigen sich mit dem Thema auseinandersetzen, dann ist es möglich, dass eine Heilung erfolgt.

Was ist das Messie-Syndrom? – Die Definition

Es handelt sich bei dem Messie-Syndrom um eine psycho-emotionale Befindlichkeitsstörung, wobei sich der Begriff „Messie“ ableitet aus dem englischen Wort „mess“, der so viel wie „Chaos“ , „Unordnung“ oder auch „Durcheinander“ bedeutet. Die korrekte Bezeichnung für diese Erkrankung lautet im englischen „Compulsive Hoarding“. Die Medien prägten diesen Begriff, doch heute wird er nur noch in den fachlichen Diskussionen verwendet.

Bei einem Messie handelt es sich um einen Menschen, der nicht in der Lage ist, zwischen einer gestalteten Ordnung und einer gesunden Unordnung zu wählen. Ein Messie lebt in einer chaotischen Struktur und er ist dieser hilflos ausgeliefert. Das Leben in dem permanenten Chaos macht ihm Angst, erzeugt beim ihm Stress und gibt ihm das Gefühl, dass er inkompetent ist und das blockiert die Entfaltung seiner eigenen Persönlichkeit.

Das „eigentliche“ Messie-Syndrom: Das zwanghafte Horten

Die Menschen, die von dem Messie-Syndrom betroffen sind, sammeln alles unnötige und können sich von nichts trennen. Kommt es zum Extremfall dann fuellen die „Sammlerstücke“ letztendlich die komplette Wohnung aus. Dabei kann sich die Sammelwut auf die unterschiedlichsten Dinge beziehen. Das beginnt bei Zeitungen und Magazinen, alten Akten über Geschirr, Spielsachen, Verpackungsmaterialien und Kleidung bis hin zu Elektrogeräten und einer Menge an alten Daten auf dem PC.

Es bereitet den Betroffenen Schwierigkeiten, den tatsächlichen Wert von Dingen ein- und abzuschätzen. Sie können nicht der schlecht zwischen brauchbar & unbrauchbar und wichtig & unwichtig unterscheiden. Der Betroffene ist außer Stande von seiner „Sammlung“ etwas wegzuschmeißen, da er jedem einzelnen Objekt seines Sammeldrangs eine ganz persönliche Bedeutsamkeit oder einen potenziellen Nutzen beimisst – d. h. er geht nach dem Leitspruch“irgendwann kann ich das garantiert noch mal gebrauchen“. Zudem messen viele der Messies den angesammelten Gegenständen auch einen sehr hohen emotionalen Wert bei und sind teilweise wie „verschmolzen“ mit den Dingen. Der Grund ist, dass diese Gegenstände für ihn der Ersatz für eine menschliche Beziehung sind und damit ist es schwer, wieder loszulassen.

Messies können keine Prioritäten setzen

Anstatt etwas wegzuschmeißen, stellen die Betroffenen die Zimmer ihrer Wohnung/ihres Hauses damit voll und das kann soweit gehen, dass nur noch ein paar Fußwege zwischen Kisten und –Säckestapeln sowie meterhohen Haufen frei sind. Nur eine kleine Minderheit der Messies sammelt auch Abfälle und Essensreste und verlebt seinen Alltag inmitten von Schmutz und Ungeziefer. Aber eben diese seltenen Extremfälle sind es, die unter dem sogenannten Vermüllungssyndrom leiden, die das Bild der Messies bei Ausssensstehenden prägen.

Um einem Messie zu helfen ist die beste Behandlungsmethode eine Kombination aus Verhaltenstherapie und Psychotherapie. Dabei lernt der Messie, sich seiner angstauslösenden Situation zu stellen und sich dann auch von Sammelobjekten zu trennen. In der Zeit des Aufräumens leistet der Therapeut dem Betroffenen Gesellschaft, er ermutigt ihn beim Aussortieren, Wegwerfen und Verstauen. Zwar kann vielen Betroffenen mit einer solchen Therapie geholfen werden, dass sie ihre Probleme in den Griff bekommen, doch das bedeutet nicht, dass der Betroffene auch geheilt ist. Er kann sich als „trockener“ Messie bezeichnen, denn er läuft wie ein Alkoholiker immer wieder Gefahr, dass er einen Rückfall erleidet.

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