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Tages Inkontinenz bei Kindern – (k)ein Tabuthema

Da ein Kind bis zu einem gewissen Alter das Bett einnässt, ist völlig normal. Doch sollte dann ein Schulkind des Öfteren einnässen, dann bedarf es einer Klärung. Steckt dahinter eine Enuresis oder aber eine kindliche Inkontinenz? Erst im Anschluss ist es möglich, gezielt mit einer Behandlung zu beginnen.

Die Antwort ist nicht einfach

Für die richtige Antwort auf die Frage „Warum nässen Kinder ein“, gäbe es bei einem Fernsehquiz sicherlich ein paar tausend Euro, denn diese ist nicht ganz so einfach. Von den meisten Menschen wird die Zahl unterschätzt und sie sind zugleich überrascht, wie viele fünf- bis Zwölfjährige das Bett oder die Hose einnässen. Aber kein Quizmaster wird diese Frage stellen, denn das Einnässen ist bei Kindern ein ebenso großes Tabu-Thema wie die Tages Inkontinenz bei Erwachsenen.

Beim Bettnässen handelt es sich um die zweithäufigste Erkrankung nach den Allergien und stellt das häufigste urologische Symptom bei Kindern dar. Von den rund 8,8 Mio. Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen fünf und 16, die in Deutschland leben, sind rund 440.000 davon betroffen. Dabei müssen sich die Kinder und deren Eltern gar nicht schämen oder gar Schuldgefühle mit sich herumtragen, denn bei Kindern ist es völlig normal, dass sie bis zum fünften Lebensjahr das Bettnässen oder Urin einmal in die Hose geht. Den älteren Mädchen und Jungs kann außerdem gut geholfen werden.

Welche Ursachen führen zur kindlichen Inkontinenz?

Es kann nur sehr schwer zwischen dem nächtlichen Bettnässen und der kindlichen Harninkontinenz unterschieden werden, aber dennoch muss hier differenziert werden:

Von der kindlichen Inkontinenz wird das Einnässen charakterisiert, welches mit zusätzlichen oder alleinigen Tagessymptomen wie häufiges Wasserlassen, Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen, Haltemanövern, einer Harnwegsinfektion oder einem nicht zu unterdrückenden Harndrang einhergeht. Bei 15 bis 20 % der Inder tritt die kindliche Harninkontinenz auf.

Beim nächtlichen Bettnässen hingegen handelt es sich um die häufigste Form des Einnässens. Besonders charakteristisch dafür ist das Einnässen im Schlaf bei Kindern im Alter über fuenf Jahren an mindestens zwei Nächten im Monat. In der Nacht nässen rund 33 % der Fünfjährigen noch ein. Dabei sind die Jungen doppelt so häufig betroffen wie die Mädchen. Die Symptome bilden sich bei 15 % der betroffenen jedes Jahr spontan zurück. In Hinsicht auf das nächtliche Bettnässen, der sogenannten Enuresis, wird zwischen zwei weiteren Formen unterschieden:

  • Primäre Enuresis: Dabei wird von einer konstitutionellen Entwicklungsverzögerung des Kindes ausgegangen. Diese Form kann auch familiär häufiger auftreten und es wird vermutet, dass diese vor allem genetisch bedingt ist.
  • Sekundäre Enuresis: Hier spielen wahrscheinlich psychische Ursachen eine große Rolle. Diese Form der Enuresis existiert, sollte das Kind nach mindestens sechs Monaten wieder beginnen nachts das Bett einzunässen. Diese Form des Einnässens bleibt sogar bis über das 18. Lebensjahr bei drei bis vier Prozent der Fälle bestehen. Mit circa 75 % aller Fälle kommt diese Form dreimal häufiger vor, als die kindliche Inkontinenz.

Sollte ein Kind bis zum fünften Lebensjahr gelegentlich das Bett einnässen, das ist das vollkommen normal und ist kein Grund sich zu sorgen. Erst dann, wenn das Kind häufiger einnässt, sollte der Kinderarzt aufgesucht werden, um sich über die weiteren Schritte beraten zu lassen.

Wie kann ein Kind unterstützt werden, wenn es einnässt?

Wichtig ist es, dass dem Kind viel Verständnis und Geduld entgegengebracht wird. Es sollten auf jeden Fall Strafen, Drohungen oder sonstige Einreden auf das Kind vermieden werden. Des Weiteren sollte dem Kind die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt werden, aber zugleich sollte dabei vermieden werden, dass die Inkontinenz bzw. das Bettnässen, in den Mittelpunkt des Familienalltags gestellt wird.

Geht es zu Bett, dann ist es wichtig, dass die Blase geleert wird und in der Nacht sollte dem Kind ein unbehinderter Zugang zur Toilette ermöglicht werden. Das beinhaltet eine gute Beleuchtung, die vom Kind selbstständig bedient werden kann.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Wichtig ist es, als erstes durch ein Gespräch mit dem Kinderarzt abzuklären, ob es sich beim Einnässen um eine urologische oder psychiatrische Erkrankung handelt. Hilfreich dabei ist ein sogenanntes Pipiprotokoll sowie ein Trink- und Blasentagebuch. Durch diese können die Häufigkeit des Wasserlassens und die Toilettengewohnheit analysiert werden. Damit das möglich ist, müssen die entleerte Harnmenge, das Harndranggefühl, die Einnäss-Ereignisse und auch die Trinkzeiten und -mengen sowie das Stuhlverhalten für zwei aufeinanderfolgende Tage dokumentiert werden. Dadurch erhält der Kinderarzt Hinweise auf eine zu kleine oder große Blasenkapazität, übermäßige nächtliche Urinproduktion oder ein fehlerhaftes Trinkverhalten. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören bspw.:

  • Eine Veränderung des Trink- und Miktionsverhaltens (vollständige Entleerung der Harnblase)Medikamente, um die Blasenkapazität zu vergrößern,
  • oder zur Dämpfung der Blase, zur Senkung des nächtlichen Urinvolumens oder Harninfek
  • tionen.Alarmsysteme wie bspw. Klingelhosen oder -Matten, die schlagen bei Feuchti
  • gkeit AlarmEin soge
  • nanntes Biofeedback-Training (Blasen-und Schließmuskeln werden trainiert)Eine Psychotherapie

Ist die genaue Ursache ermittelt, dann sind die Erfolgsaussichten gut. Aber dennoch kann es ein bis zwei Jahre dauern, bis das der Erfolg zu 100 % eintritt. Für die Motivation der Kinder sorgt dabei ein Erfolgsprotokoll.

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