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Bewegung gegen Schmerzen – trotz Schmerzen beim Bewegen?

Mensch, Körper und Proportionen © ag visuell - Fotolia

Diese Frage beschäftigt viele Menschen, die unter einem dauerhaften oder wiederkehrenden Schmerz im Bewegungsapparat klagen. Dennoch kann diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden. Die Bewegungen haben dabei nicht nur eine therapeutische Bedeutung. So können durch die gesteigerte Fitness auch das körperliche Wohlbefinden im Ganzen und die Körperwahrnehmung positiv beeinflusst werden Nur wenige Ausnahmen sind zu beachten, um eine Verschlimmerung der Beschwerden zu vermeiden.

Die meisten Schmerzen in dem muskulo-skelettalen System entstehen durch eine Dysbalance der Muskelkräfte. Überlastungen der Muskeln mit entsprechenden Verspannungen, Überforderungen der Gelenke mit resultierendem Verschleiß und Überbeanspruchung der Sehnen sind die schmerzhaften Folgen.

Um diesem gestörten Gleichgewicht zu begegnen, sollte in der Therapie eine moderate Bewegung durchgeführt werden. Diese kann zu Beginn unter krankengymnastischer Betreuung trainiert werden, so dass die Bewegungsabläufe adäquat durchgeführt und die richtigen Muskelgruppen trainiert werden. Die Übungen können dann zu Hause weiter gemacht werden. Wichtig ist dabei eine submaximale Intensität bei vielen Wiederholungen, um die Ausdauer zu stärken und um dabei eine erneute Überlastung zu vermeiden.

Ergänzend sind gelenkschonende Sportarten zu empfehlen, hier vor allem das Nordic Walking, Schwimmen und Radfahren. Diese Art der körperlichen Ertüchtigung führt zu einer verbesserten Kondition und kräftigt schonend die Muskeln ohne eine weitere Überlastung zu forcieren. Auch kann durch diesen Ausdauersport zusätzlich das Gewicht reduziert, bzw. das Idealgewicht gehalten werden, was sich ebenfalls günstig auf die Gelenke auswirkt.

Sind bereits starke Verspannungen vorhanden, kann über Massagen der Muskelmantel gelockert werden. Verstärkt wird der lösende Effekt durch vorherige Wärmeanwendung, zum Beispiel als Fango-Massage. Danach ist eine freiere Bewegung möglich. Jedoch sollten Massagen nicht als alleinige Therapie eingesetzt werden, da diese die gestörte Balance nicht korrigieren können, sondern eben nur die verhärteten Muskeln entspannen.

Eine gute Fitness ist auch bei vielen Krankheitsbildern eine entscheidende Säule in dem Behandlungskonzept.

Die häufigste Erkrankung des Skelettsystems ist die Arthrose, also der Gelenkverschleiß. Durch eine Überlastung des Gelenkknorpels (zum Beispiel bei Übergewicht oder durch verschiedenste Fehlstellungen) kommt es zum Knorpelabbau. Dieses führt letztendlich zu den Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Durch eine gezielte Bewegungstherapie können die gelenkunterstützenden Muskeln trainiert und so dann die betroffenen Gelenke selber entlastet werden. Bei ausgeprägter Arthrose bietet sich Schwimmen an. Durch die aufgehobene Schwerkraft werden die Gelenke entlastet und das kühlende Wasser wir in der Regel als angenehm empfunden. Der bis dahin eingetretene Knorpelschwund ist zwar nicht mehr rückgängig zu machen, jedoch können durch dieses Training Schmerzen gelindert und ein Fortschreiten des Verschleißes verlangsamt werden. Auch können Massagen und schmerzstillende Medikamente ergänzend eingesetzt werden, um den Schmerz bei der Bewegung zu reduzieren. Durch die konsequente Behandlung wird zusätzlich Übergewicht reduziert, was den Knorpelstatus ebenfalls günstig beeinflusst. Lediglich bei der aktivierten Arthrose (hier ist das Gelenk entzündlich geschwollen und gerötet), sollte eine übermäßige krankengymnastische Behandlung vermieden werden.

Ebenfalls häufig ist die rheumatoide Arthritis, bis zu ein Prozent der Bevölkerung ist an dieser autoimmun bedingten Gelenkzerstörung erkrankt. Hier sind Übungen trotz Beschwerden die wichtigste Basis der Behandlung. Durch die entzündliche Gelenkerkrankung kommt es an den Gelenken zu narbigen Schrumpfungen. Nur durch Bewegungen an diesen Stellen kann eine Einsteifung des Gelenkes verhindert bzw. verlangsamt werden. Auch führt ein dauerhaftes Üben zu einem Wachstumsreiz auf den Knochen, so dass der entzündliche Knochenabbau verlangsamt werden kann. Bei der rheumatoiden Arthritis ist jedoch meist eine begleitende schmerzstillende Therapie notwendig. Neben Medikamenten haben sich im akuten Schub Kälteanwendungen bewährt. Im chronischen Stadium mit begleitender Arthrose sind muskelentspannende Wärmeanwendungen zu bevorzugen.

Der positive Stimulus auf die Knochen durch körperliche Ertüchtigung wird auch in der Behandlung der Osteoporose genutzt. Bei dieser Erkrankung kommt es zu einem gesteigerten Abbau der Knochensubstanz mit gleichzeitig reduziertem Aufbau des Knochens. Die Bilanz ist daher negativ und es kommt insgesamt zu einem Knochenschwund. Knochenbrüche an typischen Lokalisationen sind die schmerzhafte Folge. Trotz des Schmerzes auf Grund der Erkrankung sollten daher Sportarten ausgeübt werden, welche einen besonders großen Stimulus verursachen. Typische Beispiele sind Nordic Walking, Fitnessübungen und Radfahren. Schwimmen ist hier auf Grund der aufgehobenen Schwerkraft nicht die Sportart der ersten Wahl.

Aber auch bei den allseits bekannten Verspannungen durch zum Beispiel Bildschirmarbeit kann moderater Sport helfen, den Teufelskreislauf aus Verspannung, Schmerz, Schonung und erneuten Verspannungen zu unterbrechen. Dabei bieten sich Sportarten an, welche den Körper im Ganzen bewegen und den Rücken dabei stärken. Zu empfehlen sind daher Schwimmen und kräftigende Fitnessübungen.

In der Zusammenschau sind also Bewegungen gegen den Schmerz die einfachste und nebenwirkungsärmste Behandlung in der Orthopädie, um Beschwerden vor allem langfristig zu lindern und um Komplikationen zu verhindern.

 

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Ein Kommentar

  1. Meine Erfahrungen mit einer als besonders aggressiv verlaufenden rheumatoiden Arthritis waren, dass – trotz schmerzlindernder Medikamente – eine auf Bewegungen aufbauende Therapie schlicht nicht mehr erträglich gewesen wäre. Dennoch wollte ich mich mit dem Schicksal zunehmender Gelenkdeformation, -degeneration bzw. – Versteifung nicht abfinden und es gelang mir schließlich, mich durch sanfte Übungen, die vor allem auch auf Immagination fußten, selbst zu heilen. Das gegenüber allen anderen Therapieformen erstaunliche war, dass die jeweiligen Schmerzen bereits kurz nach Beginn der jeweiligen Übung nachließen und sogar ganz verschwanden. Seit über zehn Jahren gelte ich nun schon als geheilt.